Die Geschichte des Äschli

Für den eiligen Leser

Von alters her wurde in Elgg der Aschermittwoch in besonderer Weise gefeiert.

Seinen Namen hat der Aschermittwoch von der Kirche. An diesem Tage wird den Gläubigen während der Messe Asche auf das Haupt gestreut. Der Aschermittwoch ist der erste Tag des 40 tägigen Fastens. Sein Datum ist ohne Einrechnung der Sonntage, 40 Tage vor Ostern.

Nach der Auflegung der Asche spricht Priester ein Gebet, das mit den Worten beginnt: «Gewähre uns, Herr, dass wir nun durch diese heiligen Fasten in die Reihen der Truppen Christi eintreten». Sollte der Knabenumzug in vorreformatorischer Zeit diese «militiachristiana» versinnbildlicht haben?

Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Knabenschaften, d. h. die Vereinigungen lediger Jünglinge und Männer die soldatischen Umzüge veranstalteten, und zwar in Anlehnung an die militärischen Musterungen, die häufig in Elgg abgehalten wurden.

Bereits 1628 schrieb Pfarrer Fäsi ins Pfarrbuch: „dass die Veranstaltung eines Knabenumzuges mit militärischem Charakter in das 16. Jahrhundert zurückreicht, denn, der Umzug «lediger Knaben» sei in Elgg ein alter Brauch“.

Am Neujahr wählen die Knaben vor dem alten Schützenhaus am Obertor ihre Offiziere und Unteroffiziere. An den folgenden Samstag- oder Sonntagnachmittagen wird fleissig Exerziert eingebettet in einen ereignisreichen Erlebnis Nachmittag. Am einer Übung erfolgt die Wahl eines Gasthauses als Hauptquartier. Dieses wird zur „A Suufete“ im Anschluss an die Übung besucht.

In der Nacht vor dem grossen Tag können die Buben kaum schlafen, denn früh um 4 Uhr ertönt der Kanonenschuss, mit dem die Tagwache startet. Trommler und Pfeifer, von einer Pauke verstärkt, durchziehen Flecken und Bahnhofquartier und wecken die Einwohnerschaft.

Um 7 Uhr besammelt sich die Kompanie beim Torweiher und begibt zur Wohnung des Hauptmanns, wo sich auch der Fähnrich mit dem Banner befindet. Der Hauptmann führt nun seine Kompanie mit Trommel- und Pfeifenklang in althergebrachter Ordnung mehrmals um den Flecken zum Hauptquartier.

An der Spitze marschiert der Sappeur. Es folgen die Trommler und Pfeifer, die grünen Jäger mit Gewehr, die Übermittler mit den Wägli, der Fähnrich mit der Fahnenwache umrundet von den Lanzentägern, die Kanoniere mit der Kanone, die Armbrustschützen und am Schluss die kleinsten Buben, die Chnöpfli.

Nach dem Mittagessen, dass ds Kader im Hauptquartier einnimmt, hält der Hauptmann aus einem Fenster des Hauptquartiers eine Rede an seine Mannschaft. Es ist dies der Höhepunkt des Tages, denn auch die Erwachsenen wollen die Rede mitanhören und sehen, welche Haltung der Hauptmann zeigt.

Während die Buben in die Mittagspause entlassen werden, wird die Generalversammlung der Aschemittwochgesellschaft abgehalten.

Nach der Mittagspause wird nach einer Dorfrunde zur Soldauszahlung angetreten, die in streng militärischer Form vorgenommen wird. Bei diesem Akt gelangen die Preise für die besten Armbrustschützen zur Verteilung.

Im Jahre 1882 wollte ein Dorfgewaltiger das Fest abschaffen. Im Bestreben, dem Aschermittwoch seine Bodenständigkeit zu bewahren wurde im Jahre 1914 die Aschermittwochgesellschaft gegründet.

Seit alter Zeit kam es vor, dass am Aschermittwoch Theateraufführungen zum besten gab. Solche Festlichkeiten zu organisieren, ist neben der Betreuung des Knabenumzugs das wichtigste Bestreben der Aschermittwochgesellschaft.

Der Aschermittwoch wird von den auswärts wohnenden Elggern gerne zu einem Besuch in der alten Heimat benützt. Man tauscht dabei Erinnerungen aus und wohnt der Generalversammlung der Aschermittwochgesellschaft bei oder findet sonst in einer Gaststätte frohe Gesellschaft. 

Für den Detail interessierten Leser

Aus der Elgger-Geschichte

Von altersher wurde in Elgg der Aschermittwoch in besonderer Weise gefeiert. Zwar wissen wir nicht, in welchem Masse das vor der Reformation der Fall war, aber es fällt auf, dass die Bürgerschaft ausgerechnet im darauf folgenden Jahre, also anno 1525, diesen Tag feierlich beging; wenn damals am ersten Fasttag auf Gemeindekosten eifrig gegessen und getrunken wurde, so handelte es sich wohl um eine Art «protestantischer Demonstration». Bemerkenswert ist ferner, dass im 16. und 17. Jahrhundert auch die Weiber am Feste teilnahmen und gelegentlich (1542) mehr Wein und Brot erhielten als die «Mannen».

Weil die Einwohnerschaft an diesem Tage auf des Fleckens Kosten bewirtet wurde, finden wir die meisten Angaben über den Aschermittwoch in den Rechnungen des Seckelamtes, die bis ins 18. Jahrhundert hinein ziemlich regelmäßig Einträge folgender Art enthalten: Eschmittwuch uff dem Rathus verzert 5 Pfund, 1 Krützer (1525); Eschermittwuch den Wybern geschenkt 8 Pfund (1540); am Aschermittwoch den Wibern und Mannen 5 Pfund (1576); Aschermittwuch mit Trunk und Singen fröhlich gefeiert (1648); Vogt und Räten 6 Pfund, Burgerschaft 14 Pfund, den jungen Knaben 4 Pfund, den jüngern Knaben 1 Pfund, den Weibern 2 Pfund, den jüngsten Buben 10 Schilling (1678); den Räthen und Eindlifern an Broth und Kes 1 Pfund 11 Schilling, denen grossen Knaben geben 6 Pfund (1720); auch für 1829 meldet das Ratbuch: «Am Eschermitwoch soll der Sängergesellschaft zu dem Trunk von dem Seckelamt ein Ehrenwein, und was der Herren Tisch erfordert, gegeben werden».

Auf einer Photographie der Festteilnehmer von 1899 (im Gemeindesaal) steht geschrieben, der Aschermittwoch sei 1469 «gegründet» worden. Diese Angabe ist höchst verdächtig, und wir glauben, dass der Tag in der uns bekannten, fröhlichen Weise erstmals im Jahre 1525 gefeiert wurde.

Sicher wissen wir ferner, dass die Veranstaltung eines Knabenumzuges mit militärischem Charakter in das 16. Jahrhundert zurückreicht, denn Pfarrer Fäsi schrieb 1628 ins Pfarrbuch, der Umzug «lediger Knaben» sei in Elgg ein alter Brauch.

Seinen Namen hat der Aschermittwoch von einem Ritus der römisch-katholischen Kirche. An diesem Tage wird nämlich den Gläubigen während der Messe Asche auf das Haupt gestreut, wobei der Priester die Worte spricht: , Während diese Worte an 1. Mose 3, 19 anknüpfen, erinnert das Streuen der Asche an die Busse der Niniviten (im Propheten Jona 3, 5). Die Asche selbst wird von Baumzweigen gewonnen, die im Vorjahre gesegnet wurden; sie wird vor ihrer Verwendung nochmals geweiht. Der Aschermittwoch ist der erste Tag des grossen 40 tägigen Fastens in der römischen Kirche, welches in Anlehnung an die in Ev. Matth. 4, 2 und Markus I, 13 und Lukas 4, 2 überlieferte Fastenzeit Christi begangen wird. Sein Datum wird in der Weise festgesetzt, dass von Ostern weg ohne Einrechnung der Sonntage 40 Tage rückwärts gezählt wird. Am Aschermittwoch musste das oft ausgelassene Fastnachtstreiben ein Ende nehmen.

Im benachbarten Winterthur feierten die sogenannten Nachbarschaften (Quartiervereine) jedes Jahr den Aschermittwoch durch ein gemeinsames Essen, zu welchem auch Frauen und Kinder eingeladen waren, und wofür der Stadtkeller den Wein kostenlos lieferte. Auch im alten Zürich ging es am Aschermittwoch lebhaft zu; im Jahre 1527 wurde aber die Verwendung von Trommeln und Pfeifen bei Umzügen und andern Vergnügungen verboten. Nur die Metzger durften ihren Umzug weiterhin durchführen, und zwar zur Erinnerung an die Tapferkeit, mit der sie in der Zürcher Mordnacht die Brun'sche Verfassung retten halfen.

Es scheinen sich um jene Zeit militärische Anlässe und Fastnachtslustbarkeiten oft vermischt zu haben, war es doch z. B. Brauch, dass sich die kriegstüchtige Mannschaft der Städte (Winterthur, Rapperswil, Stein am Rhein, Frauenfeld) um die Fastnachtszeit Besuche abstattete. Der militärische Charakter könnte allenfalls auch religiösen Gebräuchen entstammen. Nach der Auflegung der Asche auf das Haupt der Gläubigen spricht nämlich der katholische Priester ein Gebet, das mit den Worten beginnt: «Gewähre uns, Herr, dass wir nun durch diese heiligen Fasten in die Reihen der Truppen Christi eintreten». Sollte der Knabenumzug in vorreformatorischer Zeit diese «militiachristiana» versinnbildlicht haben?

Jedenfalls dürfte der Umzug auf einen alten Volksbrauch zurückgehen, während das reichliche Essen und Trinken eine Abwandlung des einst strengen Fasttages in bewusst reformiertem Sinne darstellt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Knabenschaften, d. h. die Vereinigungen lediger Jünglinge und Männer die soldatischen Umzüge veranstalteten, und zwar in Anlehnung an die militärischen Musterungen, die häufig in Elgg abgehalten wurden. Ähnlich sind die einstigen «Umezüge» an mehreren Orten des Zürcher Oberlandes zu erklären; in Wald fanden solche Umzüge in historischen Uniformen noch vor wenigen Jahren statt.

Den Beschreibungen des Aschermittwochs vor und nach der Jahrhundertwende entnehmen wir folgendes: Am Neujahr wählen die Knaben vor dem alten Schützenhaus am Obertor ihre Offiziere und Unteroffiziere, worauf an den folgenden Sonntagnachmittagen ein fleißiges Exerzieren einsetzt. Am Sonntag vor dem Aschermittwoch erfolgt die Bezeichnung eines Gasthauses als Hauptquartier.

In der Nacht vor dem grossen Tag können die Buben kaum schlafen, denn früh um 4 Uhr ertönt die Tagwache. Trommler und Pfeifer, von einer Pauke verstärkt, durchziehen Flecken und Bahnhofquartier und wecken die Einwohnerschaft. Der Zug wird beim Torweiher gebildet und begibt sich um 7 Uhr zur Wohnung des Hauptmanns, wo sich auch der Fähnrich mit dem Banner befindet. Der Hauptmann führt nun seine Kompanie mit Trommel- und Pfeifenklang in althergebrachter Ordnung, wobei der Contremarsch nicht fehlen darf, mehrmals um den Flecken zum Hauptquartier. Die Umzüge werden je nach der Witterung vier- bis fünfmal wiederholt. An der Spitze marschiert der Sappeur mit weißem Schurzfell, die schwere Axt auf der rechten Schulter. Es folgen die Trommler und Pfeifer, die grünen Jäger mit Horn und Gewehr, das Vorderglied mit den Armbrustschützen, der Fähnrich mit der Fahnenwache und das Hinterglied, welches aus den kleinsten Buben mit Käppi und Gewehr gebildet wird. Offiziere, Fahnenwache, Trommler und Pfeifer tragen weiße Hosen und bunte Uniformröcke. Natürlich hat sich seither die Aufstellung des Zuges und die Ausrüstung der Soldaten mehrmals geändert.

Nach dem Mittagessen, das der Stab im Hauptquartier einnimmt, hält der Hauptmann aus einem Fenster des Hauptquartiers eine Rede an seine Mannschaft. Es ist dies der Höhepunkt des Tages, denn auch die Erwachsenen wollen die Rede mitanhören und sehen, welche Haltung der Hauptmann auf seinem Rosse zeigt. Früher trugen die Soldaten am Nachmittag bunte Papiersträuße auf dem «Tschako», die Offiziere hohe Federponpons. Am Schlusse des Zuges gab ein «Bajazzo» seine Späße zum Besten; gleichzeitig sammelte er Geld ein und hielt mit der an Stock und Schnur befestigten Schweinsblase die schaulustige Jugend in angemessener Distanz.

Es war auch Sitte, dass der Wirt des Hauptquartiers die Knaben an der Bauernfastnacht zu sich einlud und sie mit Kaffee und Küchli bewirtete. Diese Gepflogenheiten sind zwar in Abgang gekommen; auch die Unterscheidung in Vorder- und Hinterglied wurde fallen gelassen. Dafür erhielten die Knaben im Jahre 1945 erstmals eine aus einem alten schweren Mörserrohr hergestellte Kanone, die -betreut von einem Artillerieleutnant und acht weissbehosten Kanonieren - ihre Schüsse über den Platz beim Hauptquartier feuert.

Erhalten hat sich auch die Soldauszahlung, die in streng militärischer Form um 5 Uhr abends vorgenommen wird. Bei diesem Akt gelangen die Preise für die besten Armbrustschützen zur Verteilung (Zinn- oder Keramikteller).

Gelegentlich erhob sich auch Gegnerschaft gegen die Begehung des alten Aschermittwochbrauchs. Bisweilen war es der Pfarrer, der dagegen auftrat. So waren 1643, am Vortag (14. Februar), Vogt, Räte und die gesamte Burgerschaft auf dem Rathause versammelt, wo sie sich am Mummenschanz ergötzten und Wein in grossen Mengen tranken, was der Pfarrer tags darauf in seiner Wochenpredigt scharf verurteilte. Trotzdem wurde auch dieser Aschermittwoch festlich begangen.

Als im Jahre 1882 ein Dorfgewaltiger das Fest abschaffen wollte, wurde vor seinem Hause unter großer Beteiligung ein «Begräbnis» des Aschermittwochs veranstaltet, dem alsbald eine mit allgemeinem Beifall aufgenommene Auferstehung folgte. - Im Bestreben, dem Aschermittwoch seine Bodenständigkeit zu bewahren (was angesichts der auch Elgg ergreifenden Industrialisierung notwendig war) und ihn als kulturelles Erbe zu festigen und zu heben, wurde im Jahre 1914 auf die Initiative von Robert Mantel die A s c h e r m i t t w o c h g e s el l s c h a f t gegründet, die sich in ihren Satzungen die «Pflege heimatlichen Sinnes» zur Pflicht macht.

Seit alter Zeit kam es vor, dass man an der Fastnacht oder am Aschermittwoch Theateraufführungen zum besten gab, so z. B. im Jahre 1537, denn in der Seckelamtsrechnung findet sich der Eintrag: «3 Pfund dem Joseph (Kronenwirt), do mansFasnachtsspiel gehabt». Auch Schnitzelbanken belebten diese Tage. Einige Humoristen taten sich zur Verulkung irgend eines im Laufe des Jahres vorgekommenen Ereignisses zusammen. Aus diesen spontanen Maskeraden entwickelten sich in neuerer Zeit größere Veranstaltungen, die mehr und mehr einen künstlerisch oder historisch ernsthaften Charakter annahmen, wie z. B. die Darstellung der Schlacht am Stoss, der Mutter Helvetia mit ihren 22 Kindern, der vier Jahreszeiten.

Im Jahre 1900 wurde im Rahmen eines historischen Umzuges eine dramatische Einlage, die « Verleihung des Freiheitsbriefes an Elgg 1371» aus der Feder von Alfred Huggenberger, geboten. Solche Festlichkeiten zu organisieren, ist neben der Betreuung des Knabenumzugs das wichtigste Bestreben der Aschermittwochgesellschaft. So leitete sie im Jahre 1922 den grossen Umzug «Die vier Jahreszeiten», bei dem auch Reigen zur Aufführung gelangten. Eine Steigerung brachte der Aschermittwoch von 1925, wo erneut Huggenbergers Spiel aufgeführt wurde. Der Umzug selbst zeigte Szenen aus der Geschichte von Elgg, gestaltet durch Kunstmaler August Schmid. Der Erfolg war so groß, dass die ganze Darbietung am folgenden Sonntag. wiederholt werden konnte. Für den grossen Umzug von 1929 schrieb Hans Kägi die dramatischen Szenen, welche den Gerichtsherrenaufzug von 1637 zeigten. Wiederum lockte das Spiel Tausende von nah und fern herbei. Im Jahre 1932 führte man beim Zapfenstreich einen Lampion- und Laternenwettbewerb durch.

Trotz der wirtschaftlichen Krisenzeit wagte man auch 1933 die Veranstaltung eines grossen Umzuges, der die Revolution von 1798 darstellte und zu welchem wiederum Hans Kägi die dramatischen Einlagen verfasste. An den Darbietungen wirkten über 500 Personen mit, und der Andrang auswärtiger Gäste war gewaltig, sodass Umzug und Szenen an den zwei folgenden Sonntagen wiederholt werden mussten.

Die Jahre vor und während des zweiten Weltkrieges brachten einen Unterbruch; doch werden die Elgger die schöne Tradition hoffentlich bald wieder aufnehmen.

Der Aschermittwoch wird von den auswärts wohnenden Elggern gerne zu einem Besuch in der alten Heimat benützt. Man tauscht dabei Erinnerungen aus, labt sich an den duftenden Rostbratwürsten, wohnt der Generalversammlung der Aschermittwochgesellschaft bei oder findet sonst in einer Gaststätte frohe Gesellschaft. 

Aus dem Buch von G. Peterhans 1922

„vom Rheinfall zum Schnebelhorn"

Wer zwischen Neujahr und Fastnacht an Sonntagnachmittagen am Nordfusse des Schauenberges wandelt, ist erstaunt über das kriegerische Gebaren der Jungmannschaft von Elgg. Der freundliche, geschichtskundige Gemeindeammann Spiller, der am Kirchgässlisüsse Kuchen backt, belehrt uns, dass es sich dabei um die Vorbereitungen zur Aschermittwoch-Feier handelt. 

Nach der Kinderlehre schlagen Trommler zur Sammlung; die Knaben von 10 bis 16 Jahren begeben sich mit der Polismütze bedeckt und mit alten Flinten, Kadettengewehren oder Armbrüsten bewaffnet zum Obertor. Nachher wird in der Nähe des Fleckens nach alter Ordonnanz fleissig exerziert. 

Am ersten Sonntag nach Neujahr werden die Offiziere und Unteroffiziere gewählt; am Sonntag vor Aschermittwoch folgt die Bezeichnung des Hauptquartiers, gewöhnlich ein Gasthaus, wobei die Fahne zum ersten Male entfaltet wird. 

Am Aschermittwoch morgens 4 Uhr ertönt durch drei bis vier Trommler und einen Paukenschläger die Tagwache, um 7 Uhr die Sammlung. Vom Oberlieutenant geleitet, bewegt sich der Zug vom Obertor zum Hause des Hauptmanns, wo sich auch der Fahnenträger mit dem Banner einfindet. 

Unter dem Befehle des Hauptmanns durchzieht nun der Zug mit Trommelschlag und Pfeifengetön in althergebrachter Ordnung und unter Ausführung verschiedener Evolutionen den Ort bis zum betreffenden Gasthaus. Der Fahnenmarsch ertönt; die Fahne wird ins Haus begleitet und durch ihr heraushängen der Gasthof als Sitz des Hauptquartiers bezeichnet. 

Die Umzüge werden je nach dem Wetter vormittags drei- bis viermal und nachmittags ein- bis zweimal wiederholt. An der Spitze marschiert gravitätisch der „Sappeur“ mit weissen Hosen, weissem Schurzfell, die schwere Axt auf der rechten Schulter. Ihm folgen die Trommler und Pfeifer, hierauf acht „grüne Jäger“ mit Jagdhörnern und Gewehren, dann das „Vorderglied“ von 20 bis 24 Armbrustschützen mit dem Oberlieutenant. In kurzem Abstande schreitet der Fahnenträger mit der Fahnenwache und dann, vom Unterlieutenant befehligt, das „hintere Glied“ von ungefähr 20 Mann mit Kadettengewehren. Diese tragen ihr gewöhnliches Sonntagskleid oder bei besonderen Festlichkeiten alte Kriegertrachten, der „Stab“, die Fahnenwache, Trommler und Pfeifer tragen weisse Hosen, Uniformenröcke und weisse Handschuhe; Die Chargierten sind je nach dem Grade durch goldene, silberne oder rote Epauletten und Borden am Käppi ausgezeichnet. 

Der Hauptmann trägt den schönsten Säbel. Stramm recken sich Arme und Beine; wie mutig glänzen die Augen, als gälte es in den Kampf zu ziehen. Glücklich lächeln die Eltern, wenn ihr Junge, die Hand am Käppi, vorüberschreitet, noch glücklicher, wenn er als Lieutenant oder gar als Hauptmann grüssend den blinkenden Säbel neigt. 

Über Mittag wird die Mannschaft entlassen; nur der „Stab“ nimmt das Mittagessen in einem Zimmer des Hauptquartiers ein. Am Nachmittag reitet der Hauptmann hoch zu Ross neben der Truppe und erteilt seine Kommandos: „ Rechts gschwenkt“, „ Links um“, „ Schliesst die Glieder“ usw. Zum Unterschied gegenüber dem Vormittag tragen die Soldaten künstliche Sträusse auf den Kopfbedeckungen, die Offiziere hohe, längliche Federpompons, wie sie früher bei der schweizerischen Armee gebräuchlich waren und aufbewahrt wurden. 

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